krippe konvikt

Eva an der Krippe

Einer alten Erzählung zufolge bekam das neugeborene Jesuskind nicht nur Besuch von den Hirten und später von den Weisen aus dem Morgenland. Kurz nach der Geburt betrat eine alte, von vielen Lebensjahren gebeugte Frau den Stall zu Bethlehem.

Sie neigte sich über die Krippe und fingerte dabei etwas Kleines und Schrumpeliges aus ihrem Umhang hervor. Maria und Josef schauten verwundert auf einen roten Apfel, den das Mütterchen zu Jesus in die Krippe legte. Und in diesem Augenblick lächelte das Kind. Die Alte nickte leicht, seufzte und verließ ohne ein Wort zu verlieren, den Stall.

In dieser kleinen Erzählung steckt viel Theologie, die erklärt, worum es bei Weihnachten überhaupt geht. Alle Jahre wieder feiern Christen rund um den Globus das Geburtsfest Jesu im Stall zu Bethlehem. Aber was hat die alte Frau, die einen schrumpeligen Apfel in die Krippe legt, damit zu tun?

Antwort darauf gibt das erste Buch der Bibel, das Buch Genesis, in dem die Paradieserzählung geschildert wird. Die alte, gebeugte Frau ist Eva, die Jesus den Apfel vom Baum der Erkenntnis in die Krippe legt. Soll heißen: Mit der Geburt Jesu rückt Gott die Menschheitsgeschichte wieder gerade. Er sendet seinen Sohn, der Gott und Mensch zugleich ist, um die Menschheit zu erlösen.

Aber wovon erlösen? Das lateinische Wort für Apfel heißt "malum", das wiederum wörtlich übersetzt "Unheil" oder "Übel" bedeutet. Eva legt also symbolisch alles Übel der Welt in die Krippe. Nicht aus Boshaftigkeit, sondern im Vertrauen darauf, dass mit Jesus alles "heil" wird. Durch Kreuz und Auferstehung erlöst uns der Heiland vom größten Übel, nämlich dem Tod.

Weihnachten feiern heißt, dem Heiland im Stall zu Bethlehem begegnen um selbst heil zu werden. An Weihnachten begegnet uns Gott "auf Augenhöhe". Nichts Menschliches ist Gott mehr fremd. Aus Liebe kommt Gott seinem Geschöpf ganz nah. Gott wird Mensch aus Liebe. Diese Liebe, Gott und dem Nächsten gegenüber, ist Auftrag für uns – nicht nur zu Weihnachten.

Snow                Es ist jetzt nicht die Zeit, um zu ernten.

                Es ist auch nicht die Zeit, um zu säen.

                An uns ist es, in winterlicher Zeit uns

                eng um das Feuer zu scharen

                und den gefrorenen Acker

                in Treue geduldig zu hüten.

                Andere vor uns haben gesät.

                Andere nach uns werden ernten.

                An uns ist es, in Kälte und Dunkelheit

                beieinander zu bleiben und

                während es schneit, unentwegt

                wachzuhalten die Hoffnung.

                Das ist es.

                Das ist uns aufgegeben

                in winterlicher Zeit.

                               Lothar Zenetti

Am Sonntag, den 8. Oktober, wurde Bundespräsident Steinmeier von der evangelischen Gemeinde in Rom empfangen. Er sprach zum Thema: "500 Jahre Reformation: Europa zwischen Einheit und Vielfalt." Von Villa Paolina konnten zwei Schwestern der Einladung folgen. Unter hohen Sicherheitsvorkehrungen wurden wir in die Kirche eingelassen. Als der Bundespräsident endlich in die Kirche eintrat, wurde er von langanhaltendem Applaus empfangen. Seine Ansprache berührte viele Facetten Europas, besonders die geschichtlichen Marksteine Deutschlands. Die etwa 20-minütigen Ausführungen waren sehr kompakt: von der Vergangenheit zur Gegenwart und mit Blick auf die Zukunft. Es war eine lohnende ökumenische Begegnung von evangelischen und katholischen Christen, verbunden durch das verlangen nach Einheit.

Am 9. Oktober wurde Bundespräsident Steinmeier von Papst Franziskus empfangen. Radio Vatikan berichtet: 

„Es ist meine erste Begegnung mit Papst Franziskus – und ich bin wirklich beeindruckt.“ Das sagte Bundespräsident Steinmeier unmittelbar nach der Audienz beim Papst zu Journalisten. „Beeindruckt von seiner Person. Beeindruckt von seiner so offenen Art, die Gespräche zu führen, beeindruckt auch von seinen Positionen.“

steinmeier

„Natürlich“ sei die Situation nach der Bundestagswahl in Deutschland ein Thema gewesen, so der langjährige SPD-Politiker. „Der Papst war sehr informiert über die Wahlergebnisse und hatte die Frage, welche Auswirkungen das haben wird auf Deutschland und seine Rolle in der Welt.“

„Franziskus fragte nach Gründen für Akzeptanz nationalpopulistischer Parteien“

Franziskus habe sich „interessiert danach erkundigt, welche Gründe in den Niederlanden, in Frankreich und auch in Deutschland dazu führen, dass nationalpopulistische Parteien in den letzten Wahlen wachsende Akzeptanz erhalten haben“. „Ich habe darauf hingewiesen, dass das Wahlergebnis in Deutschland keine ganz einfache Interpretation zulässt-  und dass die Interpretation, die nur zwischen Ost und West unterscheidet, bei weitem zu kurz greift.“

Bei einem „Blick auf die Landkarte“ zeige sich doch, dass es auch in einigen westdeutschen Regionen „signifikante Zustimmungs-Ergebnisse für die AfD gibt“. „Insofern wird man sich mit den Wahlergebnissen noch intensiver auseinandersetzen müssen… Doch in der Tat: Es gibt bei einigen derjenigen, die für die AfD votiert haben, offensichtlich auch den Eindruck, dass die bisherige Politik … nicht genügend schnell Defizite aus der Welt schafft, die als solche empfunden werden.“

Ansonsten habe das Thema Flucht und Migration bei dem Gespräch mit dem Papst „breiten Raum eingenommen“. „Er hat seinen Respekt vor der Art und Weise, wie Deutschland seine Verantwortung in der großen Flüchtlingskrise wahrgenommen hat, bekundet und hat seiner Hoffnung Ausdruck gegeben, dass Deutschland sich nicht abwendet vor einem Problem, das uns (länger) begleiten wird.“

„Der Papst war besorgt, ob das Klima-Abkommen von Paris hält“

Vor allem Afrika sei dem Papst spürbar „ein Anliegen gewesen“. Franziskus hoffe, dass Deutschland für „europäische Solidarität“ sorge, damit mehr „für die Regionen Afrikas“ getan werde, „aus denen heute die Mehrzahl der Flüchtlinge stammt“. „In diesem Zusammenhang hat er auch darauf hingewiesen, dass Klimaveränderung und Umweltzerstörung eine neue Dynamik in die Flüchtlingsbewegung gebracht haben, und hat seiner Sorge Ausdruck verliehen, ob das Klimaschutzabkommen von Paris tatsächlich hält. Er hat auf seine Bemühungen hingewiesen, auch die Vereinigten Staaten von Amerika und den Präsidenten zu überzeugen, hier nichts zu tun, was einer Erosion dieser so mühsam zustande gekommenen Vereinbarung Vorschub leistet!“

Weiteres Thema zwischen Papst und Präsident: die Rolle von Kirchen und Religionsgemeinschaften in internationalen Konflikten. Er habe den Papst gedrängt, noch mehr zur „Entschärfung“ großer Konflikte zu tun, erklärte Frank-Walter Steinmeier. „Hier in Rom und Italien schaut man natürlich besonders auf den Konflikt in Libyen, wo wir noch weit weg sind von einer Lösung, die dem Land wieder Frieden und Ruhe bringt.“ Da sprach auch – Rollenwechsel sind immer etwas Kompliziertes – der frühere Außenminister aus dem deutschen Staatschef.

Steinmeier: „Potential für Ökumene nicht ausgeschöpft“

„Abschließend haben wir auch über das Verhältnis von evangelischer und katholischer Kirche gesprochen. Ich habe nochmals meine persönliche Auffassung bekundet, dass das Potential für Ökumene bei weitem nicht ausgeschöpft ist, und dazu ermutigt, auch mit Hilfe Roms und des Papstes weitere Schritte in Richtung auf mehr Ökumene zu leisten.“

Ob er Franziskus denn auch nach Deutschland eingeladen habe, wollte ein Journalist vom Präsidenten wissen. Der gab darauf die kürzeste aller Antworten: „Nein. Heute nicht.“

(Quelle Radio Vatikan, 9.10.2017))

The Flying Rodleighs are trapeze artists who perform in the German circus Simoneit-Barum. When the circus came to Freiburg two years ago, my friends Franz and Reny invited me- Henru Nouwen - and my father to see the show. I will never forget how enraptured I became when I first saw the Rodleighs move through the air, flying and catching as elegant dancers. 

The next day, I returned to the circus to see them again and introduced myself to them as one of their great fans. They invited me to attend their practice sessions, gave me free tickets, asked me to dinner, and suggested I travel with them for a week in the near future. I did, and we became good friends.

“One day, I was sitting with Rodleigh, the leader of the troupe, in his caravan, talking about flying. He said, ‘As a flyer, I must have complete trust in my catcher. The public might think that I am the great star of the trapeze, but the real star is Joe, my catcher. He has to be there for me with split-second precision and grab me out of the air as I come to him in the long jump.’

‘How does it work?’ I asked.

‘The secret,’ Rodleigh said, ‘is that the flyer does nothing and the catcher does everything. When I fly to Joe, I have simply to stretch out my arms and hands and wait for him to catch me and pull me safely over the apron behind the catchbar.’ 

‘You do nothing!’ I said, surprised. 

‘Nothing,’ Rodleigh repeated. ‘The worst thing the flyer can do is to try to catch the catcher. I am not supposed to catch Joe. It’s Joe’s task to catch me. If I grabbed Joe’s wrists, I might break them, or he might break mine, and that would be the end for both of us. A flyer must fly, and a catcher must catch, and the flyer must trust, with outstretched arms, that his catcher will be there for him.’

“When Rodleigh said this with so much conviction, the words of Jesus flashed through my mind: ‘Father into your hands I commend my Spirit.’ Dying is trusting in the catcher. To care for the dying is to say, ‘Don’t be afraid. Remember that you are the beloved child of God. He will be there when you make your long jump. Don’t try to grab him; he will grab you. Just stretch out your arms and hands and trust, trust, trust.

My prayer this week is to trust, trust, trust. Trust the Catcher!

Es war eine kleine Frau, die den staubigen Feldweg entlang kam. Sie war wohl schon recht alt, doch ihr Gang war leicht, und ihr Lächeln hatte den frischen Glanz eines unbekümmerten Mädchens.

Bei der zusammengekauerten Gestalt blieb sie stehen und sah hinunter. Sie konnte nicht viel erkennen. Das Wesen, das da im Staub des Weges saß, schien fast körperlos. Es erinnerte an eine graue Flanelldecke mit menschlichen Konturen. 

Die kleine Frau bückte sich ein wenig und fragte: "Wer bist du?"
Zwei fast leblose Augen blickten müde auf. "Ich? Ich bin die Traurigkeit", flüsterte die Stimmen stockend und so leise, dass sie kaum zu hören war.
"Ach, die Traurigkeit!" rief die kleine Frau erfreut aus, als würde sie eine alte Bekannte begrüßen.
"Du kennst mich?" fragte die Traurigkeit misstrauisch.
"Natürlich kenne ich dich! Immer wieder einmal hast du mich ein Stück des Weges begleitet."
"Ja, aber..." argwöhnte die Traurigkeit, "warum flüchtest du dann nicht vor mir? Hast du denn keine Angst?"
"Warum sollte ich vor dir davonlaufen, meine Liebe? Du weißt doch selbst nur zu gut, dass du jeden Flüchtigen einholst. Aber, was ich dich fragen will: Warum siehst du so mutlos aus?"
"Ich... ich bin traurig", antwortete die graue Gestalt mit brüchiger Stimme.

Die kleine alte Frau setzte sich zu ihr. "Traurig bist du also", sagte sie und nickte verständnisvoll mit dem Kopf. "Erzähl mir doch, was dich so bedrückt." Die Traurigkeit seufzte tief. Sollte ihr diesmal wirklich jemand zuhören wollen? Wie oft hatte sie sich das schon gewünscht.

"Ach, weißt du", begann sie zögernd und äußerst verwundert, "es ist so, dass mich einfach niemand mag. Es ist nun mal meine Bestimmung, unter die Menschen zu gehen und für eine gewisse Zeit bei ihnen zu verweilen. Aber wenn ich zu ihnen komme, schrecken sie zurück. Sie fürchten sich vor mir und meiden mich wie die Pest." Die Traurigkeit schluckte schwer. "Sie haben Sätze erfunden, mit denen sie mich bannen wollen. Sie sagen: Papperlapapp, das Leben ist heiter. Und ihr falsches Lachen führt zu Magenkrämpfen und Atemnot. Sie sagen: Gelobt sei, was hart macht. Und dann bekommen sie Herzschmerzen. Sie sagen: Man muss sich nur zusammenreißen. Und sie spüren das Reißen in den Schultern und im Rücken. Sie sagen: Nur Schwächlinge weinen. Und die aufgestauten Tränen sprengen fast ihre Köpfe. Oder aber sie betäuben sich mit Alkohol und Drogen, damit sie mich nicht fühlen müssen." "Oh ja", bestätigte die alte Frau, "solche Menschen sind mir schon oft begegnet."

Die Traurigkeit sank noch ein wenig mehr in sich zusammen. "Und dabei will ich den Menschen doch nur helfen. Wenn ich ganz nah bei ihnen bin, können sie sich selbst begegnen. Ich helfe ihnen, ein Nest zu bauen, um ihre Wunden zu pflegen. Wer traurig ist, hat eine besonders dünne Haut. Manches Leid bricht wieder auf wie eine schlecht verheilte Wunde, und das tut sehr weh. Aber nur, wer die Trauer zulässt und all die ungeweinten Tränen weint, kann seine Wunden wirklich heilen. Doch die Menschen wollen gar nicht, dass ich ihnen dabei helfe. Statt dessen schminken sie sich ein grelles Lachen über ihre Narben. Oder sie legen sich einen dicken Panzer aus Bitterkeit zu." Die Traurigkeit schwieg. Ihr Weinen war erst schwach, dann stärker und schließlich ganz verzweifelt.

Die kleine, alte Frau nahm die zusammengesunkene Gestalt tröstend in ihre Arme. Wie weich und sanft sie sich anfühlt, dachte sie und streichelte zärtlich das zitternde Bündel. "Weine nur, Traurigkeit", flüsterte sie liebevoll. "Ruh dich aus, damit du wieder Kraft sammeln kannst. Du sollst von nun an nicht mehr alleine wandern. Ich werde dich begleiten, damit die Mutlosigkeit nicht noch mehr an Macht gewinnt."

Die Traurigkeit hörte auf zu weinen. Sie richtete sich auf und betrachtete erstaunt ihre nette Gefährtin: "Aber... aber – wer bist eigentlich du?"
"Ich", sagte die kleine, alte Frau schmunzelnd, und dann lächelte sie wieder so unbekümmert wie ein Mädchen: "Ich bin die Hoffnung."

(Inge Wuthe)

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